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Dochtschere Foto.jpg

Dochtschere mit Einbuchtung zur Aufnahme der Dochtreste

Dochtscheren (auch Lichtscheren, Dochtzangen, Lichtputzer, Lichtputzscheren oder Lichtschneuzen) sind speziell geformte Scheren zum Kürzen eines brennenden Kerzendochts.

Funktionsweise Bearbeiten

Dochtschere.jpg

Reich verzierte Dochtschere mit Kästchen zur Aufnahme der Dochtreste (aus Krünitz’ „Oeconomischer Encyclopädie“, um 1800)

Dochtscheren unterscheiden sich von üblichen Haushaltsscheren durch ihre kleinere Form und durch verkürzte, aber deutlich breitere und manchmal gar angewinkelte Schneidblätter, sodass das abgetrennte Dochtstück (die Schnuppe) nicht herunterfällt (womöglich in das flüssige Kerzenwachs), sondern auf den Scherenklingen liegenbleibt und direkt entsorgt werden kann. Einige Dochtscheren weisen an den Klingen Einbuchtungen zur Aufnahme der Dochtreste auf, die bis hin zu reich verzierten kleinen Kästchen ausgestaltet sein können.

Geschichte Bearbeiten

Dochtschere und Leuchter.jpg

Dochtschere und Leuchter (aus einer deutschen Fibel von 1818)

Lichtputzschere Zinn 19 Jh.jpg

Lichtputzschere aus Zinn (Deutschland, 19. Jahrhundert)

Bereits im Alten Testament werden Lichtscheren und Löschnäpfe aus Gold zum Reinhalten des Siebenarmigen Leuchters verordnet.

Gewöhnliche Kerzen waren bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus tierischem Fett (Talg) gefertigt und rußten und tropften um so stärker, je länger der Docht wurde. Deshalb mussten die Dochte regelmäßig gekürzt („geschneuzt“) werden, was in großen Räumen, in denen manchmal Hunderte von Kerzen brannten, konstante Arbeit erforderte. An Fürstenhöfen gab es dafür spezialisierte Diener, und in Theatern war ein „Komödienlichtputzer“ angestellt. Auch in Kirchen, wo zahlreiche liturgische Kerzen gepflegt werden mussten, war das Lichtputzen eine typische Tätigkeit.

Erst als das Stearin und später das Paraffin für Kerzen nutzbar gemacht werden konnten, mussten die Dochte nicht mehr ständig gekürzt werden. Das Kürzen des Kerzendochtes war aber auch später noch erforderlich, da er meistens aus einem dickeren, bleifadenverstärkten Baumwollmaterial mit einem Rundprofil bestand. Da Kerzendochte üblicherweise mit einem leichten Brandschutzmaterial versehen sind, sodass sie nur Wachs zur Flamme leiten, aber nicht selbst verbrennen, resultiert dann eine lange Brennzeit der Kerze oft darin, dass zwar das Wachs weit heruntergebrannt ist, der Docht jedoch noch seine volle Länge hat. Dadurch ist die Oberfläche, die die Flamme mit Brennstoff versorgt, sehr groß, folglich die Flamme sehr hoch und die Rußentwicklung stark. Da dies weder ökonomisch noch besonders ästhetisch noch sicher ist, wird der Docht bis auf die gewünschte Länge, normalerweise etwa 5 mm, heruntergeschnitten.

Heutzutage ist das Kürzen des Dochts bei den meisten Kerzen nicht mehr nötig. Die verwendeten papierverstärkten Dochte sind meistens abgeflacht gewebt. So kräuselt sich das Ende des Dochts in die Flamme hinein und verbrennt, wenn es zu lang ist und zu wenig Wachs liefert.

Daher finden sich heutzutage nur noch in den wenigsten Haushalten echte Dochtscheren, und heute werden Dochtscheren üblicherweise nur noch verwendet, um Kerzen auf eine saubere Art zu löschen, als Resultat einer großzügigen Kürzung des Dochts.

Sammlungen Bearbeiten

Das Lichtermuseum Wettersdorf in Walldürn zeigt in seiner Dauerausstellung zur Kulturgeschichte der Kerzenbeleuchtung unter anderem verschiedene Dochtscheren.

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

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