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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel „Kerze“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 5.10.2010 (Permanentlink) und steht unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC-BY-SA 3.0). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Candles in the dark.jpg

Drei Kerzen.

Kerzen dienten früher, neben Fackeln, Öl- und Talglampen, als Lampen für die Lichterzeugung und Beleuchtung. Kerzen und Teelichte werden bei uns für die Kerzenlaternen

Aufbau und Funktionsweise Bearbeiten

Ein saugfähiger Docht, meist aus geflochtenen Baumwollfäden, ist umgeben von Wachs oder einem ähnlichen Brennstoff, der bei niedriger Temperatur schmilzt (typisch sind 60 °C; der Docht schmilzt dabei nicht). Nach Anzünden des Dochts schmilzt das Wachs. Durch die Kapillarwirkung des Dochts wird Wachs in die Flamme transportiert, wo es verdampft, um dann in Gegenwart von Sauerstoff zu verbrennen. Die Konvektion, das heißt das Aufsteigen der warmen Verbrennungsgase, versorgt die Flamme mit unverbrauchter Luft und gibt der Kerzenflamme die charakteristische langgestreckte Form. Die Kerze erlischt, wenn der Sauerstoffgehalt unter etwa 16 %[1] sinkt.

Wird der Docht zu lang, beginnt die Kerze zu rußen. Der Grund ist die unvollständige Verbrennung des Wachsdampfes. Moderne Kerzen enthalten deshalb einen asymmetrisch geflochtenen Docht. Beim Brennen neigt er sich zur Seite und der obere Bereich verglüht (siehe glühende Dochtspitze im Bild). Früher musste zur Vermeidung des Rußens der Docht regelmäßig gekürzt („geschneuzt“) werden. Zum Abtrennen der sogenannten Schnuppe gibt es spezielle Dochtscheren.

In einer Stunde verbrennt eine Kerze etwa 3 bis 8 g Wachs. Sie erzeugt eine Heizleistung von 38 bis 100 W. Die Lichtausbeute beträgt 0,1-0,2 lm/W.

Flamme Bearbeiten

Kerze zonen.png

Brennende Kerze, rechts schematisch mit Verbrennungszonen (siehe Text).

Die Verbrennungszonen einer Kerzenflamme zeigt die Abbildung rechts. Die heißesten Bereiche liegen außerhalb der gelbleuchtenden Flamme und tragen nicht zur Lichterzeugung bei. Die Erklärung dafür liefert das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz, das einen Zusammenhang zwischen Strahlungsemission und Absorption eines Körpers herstellt.

Sauerstoff und andere beteiligte Gase sind nahezu durchsichtig, weshalb sie auch bei Temperaturen von 1400 °C kein Licht aussenden. Schwarze Rußteilchen in der Flamme leuchten intensiv.

In Zone 1 wird das Wachs verdampft und lediglich teilweise verbrannt, da Sauerstoff von außen nicht genügend schnell hinein diffundiert. Die Temperatur liegt hier bei etwa 600 bis 800 °C und steigt in Zone 2 auf 1000 °C. Die bläuliche Farbe entsteht durch Strahlungsübergänge angeregter Moleküle der Verbrennungsgase. In Zone 3 (Glühzone) wird das vor allem aus Kohlenwasserstoffketten bestehende Wachs durch den Verbrennungsprozess zerlegt. Dieser wandelt den Kohlenstoff der Kohlenwasserstoffketten in Kohlenstoffdioxid und den Wasserstoff in Wasserdampf um. Durch einen unvollständig ablaufenden Verbrennungsprozess lagert sich Kohlenstoff zu Rußteilchen zusammen, die bei 1200 °C glühen und dadurch das helle Leuchten erzeugen. Die Zone 4, die Flammenoberfläche, ist die aktivste Zone der Kerze. Die brennbaren Bestandteile aus dem Wachs finden genügend Sauerstoff für die vollständige Verbrennung und erzeugen hier Temperaturen von bis zu 1400 °C.

Bläst man eine Kerze aus, steigen Paraffin- bzw. Wachsdämpfe auf. Sie lassen sich entzünden und können die Kerze wieder zum Brennen bringen. Diese sogenannte Rauchdurchzündung ist bei einer Kerze harmlos, nicht aber, wenn es sich um größere Brände in einem Raum handelt.

Materialien Bearbeiten

Als Wachs diente früher Bienenwachs, heute meist Stearin oder Paraffin mit einem Schmelzpunkt um 60 °C.

Stearin wird seit 1811 meist zu etwa 80 bis 100 % aus pflanzlichen Fetten (Palmfett oder Kokosfett) hergestellt. Der Restanteil sind tierische Fette (Rindertalg oder sonstige Fette). Paraffin wird seit etwa 1830 aus Erdöl gewonnen.

Ozokerit, ein bergmännisch abgebautes Mineral aus der Ordnung der Harze, wurde bereits vor der Entdeckung des Paraffins unter anderem an der Moldau zur Herstellung von Kerzen verwendet. Durch Zugabe von 6 bis 10 % Schwefelsäure (welche nicht im Produkt verbleibt) erhält man das hellgelbe Ceresin.

Herstellung Bearbeiten

Kerze halbiert 2008-01-18.jpg

halbierte Kerze

Kerzen werden hergestellt durch Kneten, Ziehen, Pressen, Gießen oder Wickeln.

  • Das Kneten ist eine der ältesten Herstellungsmethoden für Wachskerzen, dabei wird das Bienenwachs mit den Fingern um den den Docht geknetet und die Kerze durch anschließendes Rollen auf einer glatten Oberfläche in Form gebracht.[2]
  • Beim Ziehverfahren wird ein Dochtstrang so oft durch flüssiges Wachs gezogen, bis die gewünschte Dicke (bis zu 8 cm) erreicht ist. Nach dieser Methode ist der Beruf des Kerzenziehers benannt.
    • Auch durch einfaches Hineinhängen der an einer Aufhängung befestigten Dochte lassen sich Kerzen herstellen, deren Dicke aber nicht so gleichmäßig wird wie beim Ziehen.
  • Sehr preisgünstige Kerzen, Teelichte und Grablichter werden mit Kerzenpressen hergestellt, die gekörntes Paraffin in die gewünschte Form drücken.
  • Insbesondere zur Erstellung von Bienenwachskerzen bietet sich die Wickelmethode an, da Bienenwachs aus dem Imkereibedarf in Wabenplatten erhältlich ist. Dabei werden die erwärmten Wachsplatten um den Docht gewickelt.
  • Für schwarze Kerzen wird Paraffin mit „Elefantenläusen“ (Anacardiumschalen) schwarz gefärbt.

In Deutschland wurden 2003 etwa 132.000 Tonnen Kerzen hergestellt.

Kerzenindustrie Bearbeiten

2006 wurden in Deutschland von mehr als 40 Herstellern mehr als 100.000 Tonnen Kerzen produziert. Ein fast ebenso großes und stetig steigendes Volumen wird aus dem asiatischen Raum importiert.[3] Um diesen Importen entgegenzuwirken und die europäische Kerzenindustrie zu unterstützen, hat die EU Mitte Mai 2009 Strafzölle für Kerzen aus China eingeführt.

Geschichte Bearbeiten

Candle Factory and Shop.jpg

Bunte gezogene Kerzen

Öllampen und Talglampen waren die Vorgänger der Kerzen. Als Sonderform kamen ab dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. Wachsfackeln auf. Wohl seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. verwendeten die Römer niedrige Talg-, Pech- und Wachskerzen. Die Griechen hatten Kerzen vorher offenbar gar nicht gekannt. Vor allem der Bedarf der christlichen Kirche führte dazu, dass Bienenwachs als Kerzenrohstoff zu einem wichtigen Handelsgut des Mittelalters wurde. Außerhalb der Kirchen und Adelshäuser wurden Kienspäne oder Kerzen aus minderwertigem Talg verwendet, so genannte Unschlittkerzen, in Nordwesteuropa auch die Binsenlichter. Das zur Herstellung der Unschlittkerzen benötigte Fett wurde aus Rinderfettgewebe oder Hammeltalg gewonnen. Dementsprechend rochen und rußten Unschlittkerzen stark. Bei allen Kerzen aus diesen Brennstoffen musste der Docht regelmäßig „geschneuzt“ (gekürzt) werden, um Rußen und Tropfen zu vermeiden.

Seit 1061 ist aus Frankreich eine Innung der Lichtzieher bekannt, im 14. Jahrhundert eine Innung der Kerzengießer in Hamburg. Zwei Kerzenhändlergesellschaften gab es seit dem späten Mittelalter in London, die Wachskerzenhändler und die Talgkerzenhändler.

Talgkerzen wurden im 17. Jahrhundert mit Arsenik geweißt. Erst ab 1725 gab es mit dem Walrat einen von sich aus weißen Kerzengrundstoff, der vornehmlich für Luxuskerzen benutzt wurde.

Henri Braconnot und Simonin sowie Manjot erzeugten 1818 bzw. 1820 erste Stearin-Kerzen. De Milly führte ab 1831 eine Reihe von Verbesserungen ein wie das Tränken der Dochte mit Salzlösungen, die Vermeidung der Kristallisation der Stearinsäure, das Pressen und Gießen der Kerzen (Millykerzen). Kurz nach der Erfindung von Paraffin wurden nach ersten Versuchen 1839 von Seligue in Paris und von Young in Manchester (England) Kerzen hergestellt.

Probleme und Gefahren im Umgang mit Kerzen Bearbeiten

Der Umgang mit Kerzenflammen birgt verschiedene Probleme und Gefahren. Zum einen handelt es sich bei einer Kerzenflamme um offenes Feuer, das bei nachlässigem Gebrauch einen Brand auslösen kann. Die Kerzenhersteller geben unter anderem folgende Warnhinweise für den Umgang mit brennenden Kerzen:

  • Die Kerze nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Die Kerze nie bei offenem Fenster und nie in der Nähe leicht brennbarer Gegenstände (zum Beispiel Gardinen) brennen lassen.
  • Die Kerze muss senkrecht stehen, am besten in einem geeigneten Gefäß.
  • Die Kerze von Kindern und Haustieren fernhalten.
  • Brennende Kerzen müssen mindestens zehn Zentimeter auseinanderstehen, der Docht darf maximal einen Zentimeter lang sein.
  • Die Kerze vor Wärme (zum Beispiel Heizung) und Sonnenlicht schützen.
  • Die Kerze nie ausblasen, sondern mit einem Kerzenlöscher löschen.
  • Die Kerze immer auf eine nicht brennbare Unterlage stellen.

Bezeichnung Bearbeiten

Im Mittelalter wurden Kerzen einfach mit dem Wort „Licht“ bezeichnet. Den Begriff Kerze gab es dafür noch nicht. Daher hat auch das Teelicht (Plural: Teelichte oder Teelichter) seinen Namen.

Zubehör Bearbeiten

Löschhütchen.jpg

Kerzenlöscher und Kerzenständer

Kerzen werden meist in Kerzenständern oder Laternen befestigt.

Zum sicheren Löschen der Flamme dienen Kerzenlöscher (auch Löschhütchen genannt).

Zur früher notwendigen Dochtpflege wurden Dochtscheren (auch Lichtputzscheren oder Dochtzangen genannt) verwendet, die ebenfalls zum Löschen der Flamme geeignet waren.

Quellen Bearbeiten

  1. Experimente für den Chemieunterricht: Brennende Kerze im abgeschlossenen Luftraum
  2. Peter Paulsen: Lichter und Leuchter. In: Die Holzfunde aus dem Gräberfeld bei Oberflacht. Theiss, Stuttgart 1992. S. 130-135.
  3. Jetzt werden auch Kerzen noch teurer (welt.de), abgerufen am 16. Juni 2009

Literatur Bearbeiten

  • Eva Blandine: Kerzenlicht. Kontakt, Zürich 1966.
  • Hannelore Dittmar-Ilgen: Vom Zauber der Flamme: Kerzen physikalisch betrachtet. In: Wie das Salz ins Meerwasser kommt... Hirzel, Stuttgart, ISBN 3-7776-1315-0, S. 89
  • Alwin Engelhardt: Handbuch der praktischen Kerzen-Fabrikation. (= Chemisch-technische Bibliothek; 150). Hartleben, Wien 1887 (2. neu bearb. Auflage von Albert Ganswindt: Hartleben, Wien 1920)
  • Willy Hacker (Hrsg.): Handbuch der Kerzenfabrikation. (= Chemikalien-Markt-Bibliothek). Bohlmann, Meißen 1920
  • Jutta Matz, Heinrich Mehl (Hrsg.): Vom Kienspan zum Laserstrahl. Zur Geschichte der Beleuchtung von der Antike bis heute. Husum, Husum 2000, ISBN 3-88042-968-5
  • Katrin Seidel: Die Kerze: Motivgeschichte und Ikonologie. Georg Olms Verlag, Hildesheim 1996. ISBN 3-487-10193-9

Weblinks Bearbeiten

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